Vertreterversammlung

Bericht der Sulzbach-Rosenberger Zeitung vom 24./25. Juni 2017

Raiffeisen stabil trotz Zinstief

Zinstief auf der einen, steigende Kundeneinlagen auf der anderen Seite: Die Raiffeisenbank Sulzbach-Rosenberg eG befindet sich wie alle anderen Banken im Spagat und in unruhigem Fahrwasser. Doch die Genossenschaft beweist auch hier ihre Stärken.

Sulzbach-Rosenberg. (ge) Es gibt keine Kreditklemme, die Bilanzsumme stieg um drei Prozent. Und in Edelsfeld plant man im Lagerhaus eine neue Anlage zur Getreideverarbeitung, war bei der Vertreterversammlung im Heldrich-Saal in Forsthof zu erfahren.

Aufsichtsrats-Vorsitzendem Dieter Heldrich oblag es, sie zu eröffnen. Er freute sich, dass die Zahl der Mitglieder um drei Prozent auf 9107 gestiegen sei – „ein allgemeiner gesellschaftlicher Trend“. Als Genossenschaft strebe man höchstmöglichen Nutzen für die Mitglieder an.

Einlagezins unter null

294 Tage seien er und sein Kollege Martin Sachsenhauser nun im Amt, resümierte Vorstandsmitglied Erich Übler. Er nannte vier Trends, die im Bankgeschäft die Zukunft maßgeblich beeinflussen würden: Niedrigzinsen, Digitalisierung, Demografie und Regulatorik. Der Einlagezins der Europäischen Zentralbank von unter null Prozent treibe auch gesunde Banken wie die Raiffeisenbank Sulzbach-Rosenberg langfristig in Existenznot.

„Sparer erhalten faktisch keine Verzinsung mehr!“ Auch die eigenen Zinserträge hätten sich um 1,28 auf 8,43 Millionen Euro reduziert. Es gelte nun, Antworten zu finden. Volks- und Raiffeisenbanken reagierten auf den steigenden Kostendruck und nutzten den genossenschaftlichen Finanzverbund.

Gestiegene Bilanz

Auch 2016 habe man auf Wachstumskurs gelegen. Die Bilanzsumme stieg um drei Prozent auf 375,9 Millionen Euro, das Kunden-Gesamtvolumen mit den Verbundpartnern liege bei 709,6 Millionen. Auch das Kreditvolumen mit 172,6 Millionen sei zufriedenstellend; 35,4 Millionen wurden ausgereicht. Ebenso stiegen die Kundeneinlagen um 3,6 Prozent auf 297,4 Millionen Euro.

Besonders wichtig, so Übler, sei eine solide Eigenkapital-Basis. Diese habe im Geschäftsjahr 2016 um 6,75 Prozent auf nunmehr 19,8 Millionen Euro aufgestockt werden können. „Das sind 5,26 Prozent der Bilanzsumme!“

Dann kamen die wichtigsten Zahlen: Der Jahresüberschuss nach Steuern sei auf 532 665,63 Euro gestiegen, die Dividende betrage unverändert 3,5 Prozent, und es würden somit fast 204 000 Euro an die Mitglieder ausbezahlt. Immerhin habe die Raiba auch fast 540 000 Euro Steuern bezahlt im Jahr 2016. 61 000 Euro flossen an heimische Vereine und Einrichtungen. Übler schloss mit dem Dank an die Mitarbeiter für ihr großes Engagement. Wirtschaftsprüfer Franz Krause vom Genossenschaftsverband Bayern bescheinigte im Ergebnis der gesetzlichen Prüfung ordnungsgemäßes Wirtschaften, ausreichende Ertragslage und angemessenen Vermögensstatus.

Einhellige Zustimmung
Die Vertreterversammlung stimmte der Verwendung des Jahresüberschusses in Dividende und Rücklagen, der Entlastung der Vorstandsmitglieder und ihrer Vorgänger sowie der Neufassung derWahlordnung zu.

Am Ende würdigten stellvertretender Landrat Franz Birkl und Bürgermeister Michael Göth das Engagement der Raiffeisenbank und auch ihren Steuerbeitrag sowie die Spenden zum Allgemeinwohl.

Alles wird digitaler
Vorstandsmitglied Martin Sachsenhauser stellte die neu strukturierte Firmenkunden-Abteilung vor, ebenso das Kundenschaufenster auf der Raiba-Homepage. Auch die Immobilienfinanzierung sei neu aufgestellt worden und könne Konzepte schnüren, die auf die individuellen Bedürfnisse des Bauherrn abgestimmt seien.

In der Immobilien-Vermittlung gebe es ebenfalls einen neuen Partner. Mit der VR-App könnten Bankgeschäfte per Handy oder Tablet schnell erledigt werden. Überhaupt, so Sachsenhauser, nehme die Digitalisierung auch im Bankgeschäft rasant zu: „Bevor ein Kunde einmal persönlich kommt, hat er uns schon rund 270Mal online kontaktiert.“

Nach dem Bericht des Aufsichtsrates durch Dieter Heldrich informierte Prokurist Hans Pilhofer über das Geschäft der Raiffeisen-Lagerhaus Amberg-Sulzbach GmbH. Das Jahr sei wieder geprägt gewesen von unterschiedlich hohen Verlusten in der Landwirtschaft, besonders in der Milchviehhaltung. Die sieben Warengeschäftsstellen erzielten zusammen 29,4 Millionen Euro Umsatz, „die Rentabilität war zufriedenstellend!“

Neuer Schlüssel
Aus dem Aufsichtsrat schieden aus Jürgen Bodendörfer und Günter Pilhofer, beide wurden aber wieder für die Dauer von drei Jahren vorgeschlagen und gewählt. Ebenso ging die angekündigte Änderung der Satzung durch: Statt wie bisher pro 75 Mitglieder wird nun jeweils ein Vertreter pro 150 Mitglieder für die Versammlung gewählt – das ergibt beim aktuellen Stand von 9107 nun 60 Vertreter.