Lesen verleiht Flügel mit dem HCA-Gymnasium

Artikel der Sulzbach-Rosenberger Zeitung vom 26. Mai 2017

Der Schriftsteller als Maler: Auch das ein Scherz von Rüdiger Bertram bei der Schul-Lesung im Literaturhaus.

So cool wie Coolman

Sulzbach-Rosenberg. (aks) Wenn Coolman, Kai und ihr literarischer Vater Rüdiger Bertram auftreten, zwängen sich die Fünftklässler des HCA-Gymnasiums auch bei schönstem Wetter freiwillig ins Literaturhaus Oberpfalz. Offenkundig verleihen eben auch Comic-Romane beim Lesen Flügel und das erst recht, wenn der Autor persönlich den gut gelaunten Unterhalter gibt.

Einen besseren Abschluss hätte der diesjährige Durchgang der von der Raiffeisenbank Sulzbach-Rosenberg unterstützten Lesereihe für die Schulen in Stadt und Umkreis nicht finden können. Veranstalter Ralf Volkert von der gleichnamigen Buchhandlung freute sich nicht nur über den regen Besuch, sondern auch über die bemerkenswerte Tatsache, dass es für einige Schüler nicht der erste Besuch im Hort der Literatur war.

Hintersinniges Spiel

Der bekannte Kölner Kinder- und Jugendbuchautor wiederum hatte Spaß am hintersinnigen Spiel mit seinem jungen Publikum, das sich aber nicht einmal von der scherzhaft angekündigten 72-stündigen Veranstaltungsdauer ins Bockshorn jagen ließ. Dabei könnte Rüdiger Bertram mit all seinen bisher erschienenen Werken diese Zeit tatsächlich locker füllen. Er beschränkte sich aber nach einer weiteren falschen Fährte mit seinem Kleinkinderbuch „Flo geht aufs Klo“ doch auf das altersgemäßere Angebot „Coolman und ich“.

Ausgerüstet mit Original-Illustrationen seines kongenialen Buchpartners Heribert Schulmeyer stellte Bertram also seinen Anti-Helden Kai und dessen imaginären Kumpel „Coolman“ vor. Egal wie misslich die Lage für Kai wird, der es als „Neuer“ an der Schule nicht so einfach hat – in seinem Kopf ist der Kerl mit Cape, schwarzer Augenmaske und einem fetten „C“ auf der Brust immer mit von der Partie.

Keine Missverständnisse
Die Gymnasiasten begleiteten Kai mit echtem Mitgefühl durch die meist extrem peinlichen Situationen seines Alltags, grinsten über das eine oder andere Missgeschick und waren auch beim Sprechblasen-Dialog zwischen Coolman und Kai ganz Ohr. Damit es da keine Missverständnisse gab, klingelte Bertram die Sprechblasen-Sequenzen sogar eigens ein.

Als der wilde Ritt im schimmeligen Müllcontainer absolviert und die zarten Bande zwischen Kai und Lena schneller zerschnitten als geknüpft waren, schwenkte Bertram um auf eine mitgebrachte Ravioli-Dose. Damit beginnt seine andere irrwitzige Buchreihe „S.W.A.P.“ mit den unfreiwilligen Top-Agenten-Helden Bob und Tim.

Nachdem das Publikum im Literaturhaus über die Bedeutung der geheimnisvollen Abkürzung spekuliert hatte, ließ sich Bertram noch zu allem befragen, was den jungen Lesern so unter den Nägeln brannte: Die Spanne reichte von der Motivation, Bücher zu schreiben, über Haustiere bis zum Lieblingsgericht.

Als echter Unterhaltungsprofi reicherte Rüdiger Bertram auch diesen Teil mit der ihm eigenen Neigung zu Komik an und erntete wieder Begeisterung. Todernst dagegen seine letzten Worte an die auf den Geschmack gekommene Kundschaft: „Im Buchladen, nicht bei Amazon kaufen“.