Vom Aufbruch ins wahre Leben

Schriftsteller Manfred Theisen fasziniert zehnjährige Schüler mit seiner Lesung komplett

Sulzbach-Rosenberg (aks) Genau den Nerv einer bunt gemischten Schar zehnjähriger Schüler zu treffen, sie eineinhalb Stunden lang nur mit Worten, ohne medialen Klimbim zu unterhalten, das verdient wahrlich Anerkennung. In der Reihe „Lesen verleiht Flügel“ gelang Schriftsteller Manfred Theisen und seinem literarischen Helden „Nerd“ in der Pestalozzi-Schule eine ebensolche „Riesensache“, der Konrektor Helmut Münch größten Respekt zollte.

Das konnte aber auch kaum schief gehen, schließlich verkauft sich das Werk seit Erscheinen wie geschnitten Brot. Es, bespaßt die junge Zielgruppe mit trendigen Gags und begeistert zugleich die Erwachsenen mit hintersinnigem, aber unaufdringlichem Tiefgang.


Rektor Alfred Steindl, der Lesungs-Veranstalter, Buchhändler Ralf Volkert, und Sponsorenvertreter Franz Kormann von der Raiffeisenbank Sulzbach-Rosenberg trugen das Ihre bei. Sie wünschten das zu erwartende Vergnügen, bevor Manfred Theisen im gemäßigten, aber unverkennbaren Kölschen Dialekt die Viertklässler mit „Nerd“ bekannt machte. „Nerd“ sieht selbstverständlich aus wie ein Nerd (etwas sonderlicher Computerfreak), ist umgeben von einer Nerd-Familie, gehört zum Kreis der superschlauen Hochbegabten und hat viele Freunde – bei Facebook, nicht in der Nachbarschaft.


Frage nach der Technik


Als seine schöne Internet-Welt eines Tages zusammenbricht, schwingt sich Nerd auf ins wahre Leben und in die Schule, deren Besuch er bislang vermeiden konnte. Schon bis zu dieser entscheidenden Stelle hat Theisen die Lesung unzählige Male unterbrochen. Er erzählte von der Entstehungsgeschichte des Buches, seinem jugendlichen Ideengeber und Illustrator Fabrice, erfragte die Netzgewohnheiten und die technische Ausrüstung der Schüler oder erörterte den Sinn eines formalen Erzählaufbaus.


Hinter allem, was da so locker-flockig und vor allem witzig beim Publikum ankam, war jedoch unschwer der ernste Kern zu entdecken: Wo fängt das Mobbing an und wie kann man sich wehren? Wie kann es sein, dass Eltern sämtliche Erziehungsarbeit auf Schule und Lehrer verlagern? Was ist zu tun, wenn jeder jeden mittels Smartphone und ganz ohne NSA überwachen kann?


Kleine Seitenhiebe auf das aktuelle Geschehen begleiteten auch die Kostprobe aus der „Nerd“-Fortsetzung mit dem Untertitel „Ich glaube, mich trifft ein Ball“. So sei leider die Frage nach dem größten Steuersünder in Deutschland für das dort eingegliederte „Deppen-Quiz“ vom bayerischen Verlag kassiert worden. Möglicherweise lag es ja doch an den vier stereotypen Antwortalternativen: a) Uli Hoeneß, b) Uli Hoeneß, c) Uli Hoeneß oder d) Uli Hoeneß.

Plädoyer für Buchläden


Am Ende schloss sich der Kreis dort, wo er angefangen hatte – beim Anliegen, die gute alte „reale“ Welt mit dem neuen virtuellen Universum zu verbinden.


Für den Erwerb seines in nur vier Tagen entstandenen Bestsellers plädierte Theisen allerdings für die immer rarer werdenden Buchläden vor Ort. Ralf Volkert wusste noch mehr zu punkten: Allein seine Ausgaben trage die echte, handgeschriebene Signatur des Autors.

Quelle: Sulzbach-Rosenberger Zeitung