„Sind mehr als zufrieden“

Volks- und Raiffeisenbanken geben Jahresergebnis für 2013 bekannt

Amberg-Sulzbach. (ll) Michael Sommer hat bis zum Schluss gewartet, um den Spruch loszuwerden: „Wir sind in der Region fassbar.“ Soll heißen: Die Leute von den Volks- und Raiffeisenbanken trifft man auch auf der Straße oder im Sportverein. Das sei der Unterschied zu anderen. Die seien unfassbar, lächelt Sommer, vor allem unfassbar dreist in dem Versuch, den Menschen eine Kundennähe vorzugaukeln, die sie nicht hätten.

Umso mehr freuen sich die Vorstände der Volks- und Raiffeisenbanken in der Region, dass sie für 2013 ein Geschäftsergebnis präsentieren können, mit dem sie „mehr als zufrieden“ sind. „In einem rauen Marktumfeld haben wir unsere gute Marktposition weiter behauptet“, fasst es der Kreisverbandsvorsitzende Dieter Paintner für die fünf einzelnen Institute (Auerbach-Freihung, Sulzbach-Rosenberg, Hirschau, Amberg, Unteres Vilstal) zusammen.


Eine Sache gefällt Paintner nicht: das niedrige Zinsniveau. Das wirke sich langsam auf den Gewinn aus – zusammen mit dem „ständig zunehmenden Bürokratismus und Regulierungswahnsinn in unserer Branche“. Die Betriebsergebnisquote 2013 betrug deshalb 0,91 Prozent, was 14,5 Millionen Euro entspricht, ungefähr 0,6 Millionen weniger als noch 2012. Unter diesen Voraussetzungen sei man damit aber „mehr als zufrieden“, sagt Paintner. Zumal das bereinigte Ergebnis vor Steuern mit 12,9 Millionen Euro „eine erfreuliche Stärkung unserer Eigenkapitalausstattung“ ermögliche und weil man aus dem Bankgeschäft kaum nennenswerte Risiken verarbeiten müsse.

Es ist auch der einzige Rückgang, der in Paintners Bilanz auftaucht. Alle anderen Entwicklungen zeigen nach oben: die Bilanzsumme (plus ein knappes Prozent), das betreute Kundenvolumen (+3,4 %), Kundeneinlagen (+2,7 %), Sichteinlagen (+7,2 %), das Kundenanlagevolumen (+4,8 %), der Kreditbestand (+5,1 %) oder die Mitgliederzahl (+2,2 %).


1700 Bausparkunden mehr als im Jahr zuvor stehen für den Traum vom Eigenheim, den viele junge Leute mit der Niedrigzinsphase verbinden. Bei den Unternehmen in der Region nehmen die Banker einen verhaltenen Optimismus und eine vorsichtig zunehmende Investitionsneigung wahr. Paintner: „Aber wir profitieren da nichts so wie die Ballunsgzentren. Das sind boomende Märkte.“


Das Motto „Aus der Region für die Region“ ist Paintner unter der Überschrift „Genossenschaftliche Werte leben“ noch wichtig. Er versteht darunter fast 200 000 Euro der VR-Banken an Spenden für karitative, sportliche und kulturelle Einrichtungen. Aber auch Investitionen von rund 2,8 Millionen Euro in Gebäude, Geschäftsausstattung und EDV, wobei man die Aufträge nach Möglichkeit in der Region platziert habe.

Zitate

„Europa darf und kann keine steigenden Zinsen haben. Die angeschlagenen Länder könnten das nicht mehr finanzieren. Der derzeitige Niedrigzins ist politisch gewollt.“


„Inzwischen ist jeder fünfte Landkreisbewohner Mitglied in einer unserer fünf Banken – Tendenz steigend.“


„Das regional verankerte ... Geschäftsmodell unserer Banken hat sich auch und gerade in der Finanzkrise als robust und äußerst tragfähig erwiesen.“


„Die Kernkapitalquote beläuft sich auf 14,64 Prozent und die Eigenmittelquote errechnet sich mit 20,42 Prozent. Während sich andere Bankhäuser noch intensiv bemühen müssen, die Eigenkapitalvorschriften nach Basel III fristgerecht zu erfüllen, können wir bereits jetzt Vollzug melden. Die Eigenkapitalausstattung ist und bleibt eines der besonders sichtbaren Aushängeschilder unserer Banken.“


Dieter Paintner


„So ist man krampfhaft auf der Suche nach geeigneten Stressszenarien im Bankgeschäft, wo man den Verdacht haben kann, dass die Wahrscheinlichkeit des Einschlags eines Kometen in einer unserer Banken höher ist als das stressdefinierte Risiko.“


Paintner über den „regulatorischen Wahnsinn“ in der Branche


„Wir haben eigene Sicherungssysteme und mussten noch nie vom Staat gestützt werden. Bei dem, was jetzt an Sicherungen aufgebaut wird, zahlen wir für die Fehler anderer.“


Bezirksdirektor Franz Penker

In Millionen Euro:  
Bilanzsumme 1615
Bereinigtes Jahresergebnis vor Steuern 12,9
Betreutes Kundenvermögen 2971
Kundeneinlagen 1254
Sichteinlagen 654
Wertpapier- und Fondsbestand 400
Kundenanlagevolumen 2011
Kreditbestand 759
Betreutes Kreditvolumen inklusive Verbundpartner 961
In anderen Einheiten:  
Kunden 85500
Beschäftigte 445
Auszubildende 33
Geschäftsstellen 35
Mitglieder 29000
Geschäftsvorgänge 14800000
Geführte Konten 165000
Bausparkunden 25766

Quelle: Sulzbach-Rosenberger Zeitung