Wilde Gesten und ein Mystery-Roman

Autor Stefan Gemmel bei „Lesen verleiht Flügel“

Sulzbach-Rosenberg. (aks) Wie Schriftsteller Stefan Gemmel zur Auszeichnung „Lesekünstler des Jahres 2011“ kam, war nach seinem „Lesen verleiht  Flügel“-Gastspiel im Literaturhaus Oberpfalz jedem Zuhörer klar. Kaum auf der Bühne, verschaffte sich der Rheinland-Pfälzer erst mal einen  gebührenden Aktionsradius, um dann die beiden sechsten Klasse der Walter-Höllerer-Realschule von der ersten bis zur letzten Minute in Atem zu halten.

Wild gestikulierend, Grimassen schneidend und geräuschvoll knüpfte der jugendlich auftretende Autor problemlos Kontakt zum Herzogstädter Publikum und hatte Selbiges bereits mit der zweiten Frage in der Hand: Die Erkundigung nach den Lesegewohnheiten der Realschüler bot ihm die  kalkulierte Steilvorlage für sein Bekenntnis zu langjähriger Leseverweigerung.

Bei ihm zu Hause sei außer Zeitung nichts gelesen worden und daran habe auch der mittlerweile eingetretene Ruhm des schreibenden Sohnes nichts geändert. Die Kehrtwende kam für ihn erst in der siebten Klasse dank einer neuen Deutschlehrerin und einem großen Verführer in Form der  „Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson.

Seither läuft es prima mit Lesen und Schreiben und nicht einmal das Verleger-Ultimatum, 400 Seiten in zehn Wochen zu produzieren, konnte die  Leidenschaft ins Wanken bringen. Dabei heraus gekommen ist im Übrigen das Werk „Sichelmond“, das auch auf besonderen Wunsch der Schüler im  Mittelpunkt der Lesung stand.

Bunte Geschichten

Lesung war dabei aber, wie gesagt, nicht allzu wörtlich zu verstehen. Gemmel wechselte mühelos zwischen bunten Geschichten rund um die  Entstehung des Mystery-Romans, das Schriftstellern an sich und einigen wenigen Original-Passagen aus dem Manuskript – stehend, gestikulierend und geräuschvoll untermalend.

Einen derart lockeren Darsteller brachte selbstredend auch der leicht verspätete Auftritt von Bürgermeister Michael Göth nicht aus dem Konzept. Das Stadtoberhaupt hob die Kooperation zwischen dem veranstaltenden Buchhändler Ralf Volkert, der sponsernden Raiffeisenbank Sulzbach-Rosenberg  eG, den Schulen und allen weiteren Involvierten hervor.

Bankvorstandsmitglied Udo Füssel überreichte einen Zuschuss-Scheck stellvertretend an Lehrerin Dagmar Schöberl und Ralf Volkert unterstrich die einzigartige Dimension der Reihe „Lesen verleiht Flügel“. Dann ging es nahtlos weiter mit den Hauptfiguren Rouven, Tabitha und Nana.

Ungewöhnlich offen gab Gemmel zudem gerade noch vermiedene Anschlussfehler in der Handlung und nicht mehr zu vermeidende Fehler auf dem  Titelplakat zum Besten.

Als am Schluss der Verlag nicht unbedingt im vorteilhaftesten Licht dastand, trat er doch auf die Bremse: „Da arbeiten fünf Leute, die 65 Bücher im Jahr herausbringen und einfach nie Zeit haben“.

Quelle: Sulzbach-Rosenberger Zeitung